Wechseljahre: Finde Deine Balance
Teil 2 einer zweiteiligen Serie
In unserer Praxis erleben wir, wie entlastend es für Frauen sein kann, die Veränderungen ihres Körpers zu verstehen - und zu erfahren, was ihnen helfen kann. Dennoch fühlen sich viele nicht ausreichend informiert. Eine Studie unter der Leitung von Professorin Petra Stute aus dem Jahr 2022 zeigte: Nur etwa jede fünfte Frau mit diagnostizierten Wechseljahresbeschwerden erhielt eine Hormonersatztherapie. Die Hälfte der befragten Frauen fühlte sich über die Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend informiert. Für uns beginnt eine gute Begleitung in den Wechseljahren deshalb mit Zuhören, verständlichen Informationen und Zeit für deine Fragen.
Hormontherapie: Was wir heute wissen
Viele Frauen haben Vorbehalte gegenüber einer Hormonersatztherapie - kurz HRT. Häufig gehen diese auf die Schlagzeilen zur amerikanischen WHI-Studie von 2002 zurück. Der Studienarm mit einer Kombination aus Östrogen und Gestagen wurde damals vorzeitig beendet, weil bestimmte Gesundheitsrisiken zunahmen. Die Teilnehmerinnen waren allerdings im Durchschnitt 63 Jahre alt. Auch die untersuchten Hormonpräparate unterschieden sich von den heute häufig eingesetzten. Die Ergebnisse beantworteten deshalb nicht alle Fragen zur Behandlung jüngerer Frauen mit Wechseljahresbeschwerden.
Heute stehen zugelassene körperidentische, auch bioidentisch genannte Hormone wie Östradiol und mikronisiertes Progesteron zur Verfügung. Ihre molekulare Struktur entspricht den körpereigenen Hormonen. Östrogenpflaster oder -gele haben ein günstigeres Risikoprofil für Blutgerinnsel als Östrogentabletten. Frauen mit Gebärmutter benötigen zusätzlich Progesteron oder ein anderes Gestagen, um die Gebärmutterschleimhaut zu schützen . Die HRT ist die wirksamste Behandlung gegen Hitzewallungen und Nachtschweiß. Sie kann den Schlaf verbessern, wenn diese Beschwerden ihn stören, und schützt während der Anwendung vor Knochenabbau und Knochenbrüchen. Für viele gesunde Frauen mit belastenden Beschwerden, die jünger als 60 Jahre sind oder deren Menopause weniger als zehn Jahre zurückliegt, überwiegen die Vorteile - sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Ein späterer Beginn oder Vorerkrankungen wie Brustkrebs, Thrombosen oder Schlaganfall erfordern eine besonders sorgfältige Abklärung und gegebenenfalls fachärztliche Beratung.
Dein Körper, deine informierte Entscheidung
Es gibt keine Entscheidung, die für jede Frau gleichermaßen richtig ist. Gemeinsam möchten wir den Weg finden, der zu deiner Gesundheit, deinen Beschwerden und deinen persönlichen Wünschen passt - mit HRT oder einer anderen Behandlung.
Wir ermutigen dich, dich zu informieren, Fragen zu stellen und Nutzen und Risiken mit uns zu besprechen. Uns ist wichtig, dass du deine Entscheidung gut informiert triffst und dich damit wohl und sicher fühlst.
Kleine Schritte, die deine Gesundheit stärken
Neben der medizinischen Behandlung unterstützen wir die Grundlagen deiner Gesundheit: eine nährstoffreiche Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Ballaststoffen und gesunden Fetten, bei Bedarf eine gezielte Ergänzung von Nährstoffen, regelmäßiges Krafttraining und Bewegung, die dir Freude macht - zum Beispiel zügiges Spazierengehen.
Auch Schlaf und Erholung verdienen Aufmerksamkeit. Anhaltende Schlafprobleme sollten gezielt behandelt werden. Yoga, Achtsamkeit oder ruhige Atemübungen können helfen, zur Ruhe zu kommen. Darüber hinaus können Nahrungsergänzungsmittel, pflanzliche Präparate und sogenannte Adaptogene dazu beitragen, Körper und Gehirn wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Wieder mehr Raum für dich selbst
Die Wechseljahre können auch eine Gelegenheit sein, innezuhalten: Was gibt mir Energie? Was brauche ich? Was möchte ich verändern? Neben den Herausforderungen können sich Möglichkeiten eröffnen, klarere Grenzen zu setzen, Interessen wiederzuentdecken und dem eigenen Wohlbefinden mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Du musst deinen Weg nicht allein finden. Bring deine Fragen gerne zum nächsten Termin mit - gemeinsam schauen wir, was dir jetzt am meisten helfen kann.
